Ein kurzer geschichtlicher Überblick 

1344

Bau der Katharinenkapelle durch die Stadt Landau für die Gemeinschaft der Beginen. Eine laienreligiöse Vereinigung frommer und nicht unvermögender Frauen, die sich den kranken und alten Menschen widmet. Der Chorraum steht vermutlich auf den Grundmauern einer älteren Kapelle. Der Chorraum besitzt ein Kreuzrippengewölbe mit einem Wappenschlussstein.

1348 - 1350 

Die Pest in Südwestdeutschland führt zu ersten Judenprogrome. Auch die Juden in Landau müssen ihre Heimat verlassen. In der Katharinenkapelle entstehen der Passionszyklus im Chorraum. Schergen mit einem Judenhut kreuzigen Jesus.

1527

Die letzte Begine in Landau stirbt. Die Katharinenkapelle in städtischen Besitz verwaist; Landau ist seit der Reformation protestantisch. Die Kapelle wird im Laufe des 16. Jahrhunderts als Leichenhalle und in den Wintermonaten für Bestattungsfeiern genutzt.

1680 - 1702

Landau wird nach dem Westfälischen Frieden französisch. Die französische Garnison nutzt die Kapelle für ihre Gottesdienste. Sie übersteht den Brand der Altstadt (1689) unbeschadet. Landau wird von 1688 - 1691 von Vaubon zu einer Festung ausgebaut. Vermutlich bauen die Franzosen die Katharinenkapelle um: die Saalkirche erhält durch die beiden Arkaden einen basilikalen Charakter. Außen werden die Seitenschiffe um den Chorraum verlängert. Die Stützpfeiler, die den Chor stabilisieren, werden dabei entfernt.

1702 - 1713

Im Spanischen Erfolgekrieg wechselt die Stadt viermal den Besitzer. Da die anderen Kirchen durch die Belagerungskämpfe (1702/03 durch die Franzosen) schwer getroffen werden, feiern Katholiken und Protestanten ihre Gottesdienste zeitweise in der Katharinenkapelle.

30. September 1709

Der stellvertretende Festungskommandant Samuel Hoffmann von Loewenfeld geboren am 17.05.1653 in Grünberg bei Gießen verstirbt in Landau und wird in der Katharinenkapelle beigesetzt. Das Grabmal befindet sich an der Ostwand des nördlichen Seitenschiffs.

26. Juni 1710 

Ernst Christoph von Sachsen stirbt und wird in der Katharinenkapelle beigesetzt. Das Epitath an der Ostwand des südlichen Seitenschiffs erinnert an ihn.

Mitte des 18. Jahrhunderts

wird die Kapelle, wieder im städtischen Besitz, profanisiert und als Pulvermagazin, Gefängnis, Weinkeller und Heulager genutzt.

1791

Die Katharinenkapelle wird an den Weinhändler Franz Paul Michel verkauft, der sie als Weinlager nutzt.

1847

Die Stadt erwirbt die Katharinenkapelle und baut sie zu einer Markthalle um. Dabei wird über dem Chor eine Wohnung eingerichtet. In die Nord- und die Südwand werden große Tore eingebaut. Der große Turm an der Westseite wird abgerissen.

1872 

Auf Beschluss des Stadtrates erhält die Landauer Gemeinde der Alt-Katholiken die Kapelle zur Nutzung überlassen.

Nach dem 2. Weltkrieg

nutzt auch die römisch-katholische Stadtgemeinde die Katharinenkapelle als Gottesdienstraum, da die Augustinerkirche im Krieg stark zerstört wurde.

1958 - 1960

Bei ersten Sanierungsmaßnahmen werden die Sekkomalereien im Chorraum der Kapelle entdeckt. Sie werden als erste historische Quellen für den Anti-Judaismus des Spätmittelalters gedeutet und als solches im Katalog der Ständigen Ausstellung - Haus der Wannsee-Konferenz abgebildet. An der Südseite des Chorraums wird die in der französischen Zeit gebaute Ergänzung abgerissen.

1959

 Die Landauer Gemeinde der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) feiert ihre Gottesdienste in der Kapelle. 

2007 - 2010

Außensanierung der Kapelle für ca. 450.000 €. Neue Strebepfeifer stabilisieren das Kreuzgewölbe des Chorraums. Die Wohnung über dem Chor wird entfernt. Der Dachreiter ersetzt, die Kapelle wird neu verputzt.

 

 

Top